Faces

... von Dr. Anton Gugg

The Villages Was macht eigentlich das besondere an einem Gesicht aus, was ist ein besonderes Gesicht und ist nicht jedes Gesicht etwas ganz besonderes, einzigartiges? Worin unterschieden sich Gesichter sogenannter Promis von denen sogenannter „Normalos“. Was macht die Gesichtszüge eines priviligierten, von den Medien schier ins Uferlose reproduzieten Gesichtes zum Markenzeichen: Doch nur unsere, von der Unterhaltungsindustrie suggerierten Vorstellungen einer Persönlichkeit samt ihres Ambientes, die beide in Wirklichkeit oft gar nicht existieren. Gesichter sind Fantasmen und Fantome, sie lösen Fantasien aus. Gesichter spiegeln ein äußeres und inneres Leben vor, eine Fassade, die von vielen Architekten konstruiert wird und deren künstlicher Magie wir nur allzu gern auf den Leim gehen. Weil wir uns selbst gern erkennen möchten im attraktiven, interessanten, hintergründigen, schönen, rätselvollen Gegenüber. Popeşti-Leordeni Meine Damen und Herren – das sind Überlegungen, die jeden Porträtmaler, jeden visuellen Flaneur durch Flimmer- und Printmedien beschäftigen. Auch Ruben Baumgartner, ein Salzburger Maler, der sich seit einigen Jahren mit technischen Finessen dem Geheimnis der Person zu nähern sucht. Es gibt sie gar nicht so oft hier, die Menschengesichtszügeerforscher, im Salzburger Umfeld. Porträts – ja machmal, als eine Art Experiment, als Ausflug in ein altes, durch die Fotografie scheinbar längst überholtes Genre. Bei Ruben Baumgartner ist das anders. Die Beschäftigung mit Images steht an allerster Stelle. Schon vor einigen Jahren hat er mit einer Art Hinterglasmalerei auf mehrere Plexischeiben in einer Soloshow in der Rotunde der Salzburg AG auf sich aufmerksam gemacht und auf seinen sehr speziellen Weg, dem Rätsel des Seelischen, des eigentlichen Lebens hinter der Gesichtsfassade auf die Spur zu kommen. In der Zwischenzeit hat der Künstler seine Methoden angereichert und verfeinert. Heute setzt er neben der Acrylfarbe auf Kunststoffglas auch Leinwand ein. Die Effekte werden also raffinierter, hintergründiger, wenn man so will. Nach wie vor sind Internet und diverse Printmedien die Quellen, aus der Baumgartner seinen physiognomischen Rohstoff bezieht. Es sind die Bildnisse berühmter Dirigenten und die edlen Vissagen vom Supermodels, die den Künstler derzeit intensiv beschäftigen. Als neue Bildnis-Kategorie treten jetzt Clowns auf, jene tieftraurigen, dauerlustigen Doppelwesen, die eigentich mit der tückischen Welt nicht fertig werden und sich in eine tragische Komik retten. Ruben Baumgartner ist jung genug, um der auf die Eitelkeiten der Massenmedien fixierten Fun-Generation anzugehören. Zugeich hat er genug Abstand zu den Verführungen der allgegenwärtigen Imagelieferanten. In zunehmdem Maße geht er auf Distanz zu den Ikonen allgemeine Anbetung, seinen es Firguren der Hochkultur oder der Poplulärkultur. Pultstars und wandelnde Kultkleiderstangen am Catwalk sind sicher zwei Leitbilder, zu denen die gereifte und die jugendliche Öffentlichkeit eine Art sadomasochistisches Verhältnis hat. Man will seinen Idolen irgendwie nah sein, man unterwirft sich ihrem geistigen und körperlichen Diktat und zugleich sind die schnellstens Gegenstände des Hohns und der Verachtung, wenn sie den Erwartungen der Fans nicht hundertprozentig entsprechen.
Diese Ambivalenz kommt in den Porträtbildern Ruben R. Baumgartner durchaus zum Ausdruck, nicht zuletzt im Schwanken der Gesichter zwischen Schönheit und Häßlichkeit, Erkennbarkeit und Unkenntlichkeit. Der Rückzug des Künstlers von der Glamour-Front der Gesichtsfassaden hat schon eingesetzt. Die von vorneherein undurchschaubare Gesellschaft der Spaßmacher fasziniert den Maler zunehmend. Diese rätselhaften Gesichter sind oft schon vom keinem prominenten Vorbild abgeleitet, gleichwohl es Chaplin oder Gründgens in der legendären Mephisto-Rolle gibt. Das Tor zur freien Malerei scheint geöffnet. Und noch eines. Bei der Weisheit der traurig-grotesken Narren sind schon viele Künstler gelandet. „Denn der Regen regnet jeglichen Tag“. Ruben R. Baumgartners versteht die Melancholie dieser berühmten Narrenworte, er transportiert sie in der Ausstrahlung seiner Bilder.

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